Das Schweigen des Doms (Hannes König – Band 16)

Das Schweigen des Doms: Ein Hannes-König-Krimi (Bergischer Regionalkrimi, Band 16) (Hannes König Krimi)
Das Schweigen des Doms: Ein Hannes-König-Krimi (Bergischer Regionalkrimi, Band 16) (Hannes König Krimi) Die Mauern des Mariendoms vergeben vieles – doch sie vergessen keinen…
Exklusive Leseprobe: „Das Schweigen des Doms“ (Hannes König – Band 16)
Beitragstitel: Exklusive Leseprobe: „Das Schweigen des Doms“ von Michael Schild – Wenn das Weihwasser zur tödlichen Falle wird
Kategorie: Buchauszug / Bergischer Kriminalroman
Autor: Michael Schild
Umfang: ca. 1.250 Wörter
Über das Buch: Das Schweigen des Doms
Im 16. Fall für den eigenwilligen und scharfzüngigen Alt-Kriminaler Hannes König schlagen die Geister der Vergangenheit mit aller Wucht im Bergischen Land zu. Was wie ein gewöhnlicher, regnerischer Septembernachmittag in Alt-Langenberg bei Mettbrötchen und kühlem Pils beginnt, mündet binnen Stunden in einen albtraumhaften Kriminalfall:
Mitten während der traditionellen Herbstwallfahrt bricht im weltberühmten Nevigeser Mariendom ein Mann vor den Altarstufen tot zusammen. Der Befund der Ermittler lässt keinen Zweifel: Es war kaltblütiger Giftmord mit hochgradig toxischem Aconitin. Doch das Opfer, ein einflussreicher Düsseldorfer Immobilienanwalt, war kein Unbekannter. In seiner Tasche finden die Beamten der Mordkommission eine persönliche Nachricht mit einem Bibelzitat und einer unheilvollen Widmung:
„Für Hannes König – die Sühne für das Schweigen von 1996 hat begonnen.“
Ein tödlicher Unfall mit Fahrerflucht vor dreißig Jahren, gedeckt von mächtigen Männern, reißt alte Wunden auf. Um die Wahrheit ans Licht zu bringen, muss König tiefer graben, als ihm lieb ist.
Tauchen Sie hier in die ungekürzte Leseprobe aus den ersten Kapiteln ein!
Buchauszug: Bittere Noten in Alt-Langenberg & Das Gift am Altar
Der Septemberregen im Bergischen Land hatte nichts Romantisches an sich. Es war dieser feine, durchdringende Niesel, der sich wie ein feuchter Schleier über das Pflaster der Langenberger Altstadt legte, in jede Ritze kroch und die nasskalte Luft direkt unter die Kleidung drückte. Die alten Fachwerkfassaden mit ihren schwarzen Schieferplatten glänzten speckig und abweisend im fahlen Nachmittagslicht. Das Wasser sammelte sich in den tiefen Rinnen des Kopfsteinpflasters, schwappte gegen die Bordsteinkanten und spritzte hoch, wann immer ein Wagen durch die engen, gewundenen Gassen rollte.
Hannes König zog den Kragen seiner schweren, braunen Lederjacke höher – jenes unverwüstliche Stück Rindsleder, das ihn schon durch unzählige Dienstjahre begleitet hatte und das er auch jetzt, im Ruhestand, nicht missen wollte. Seine Gelenke meldeten sich bei diesem Wetter mit einem dumpfen Ziehen; die Jahre auf der Straße und in zugigen Tatortkulissen ließen sich nicht einfach wegdiskutieren.
Er drückte die Schultern durch und stieß die schwere Eichentür der Traditionsgaststätte in Alt-Langenberg auf. Die kleine Messingglocke über dem Rahmen gab ein sattes, helles Pling von sich.
Mit einem Schlag war die ungemütliche Welt draußen ausgesperrt. Der Gastraum empfing ihn mit einer wohligen, schweren Wärme: der vertraute Geruch von feuchtem Herbstlaub, das die Gäste an den Sohlen hereingetragen hatten, gemischt mit dem herben Aroma frisch gezapften Bieres, kaltem Pfeifentabak im Holzgebälk und jahrzehntealtem Bohnerwachs auf den dunklen Dielen. Es war das Aroma von Verlässlichkeit, ein Stück unerschütterliche Heimat, das Hannes jedes Mal augenblicklich zur Ruhe kommen ließ.
Hinter dem massiven Tresen stand Elfriede. Eine echte bergische Wirtin alter Schule: breite Schultern unter der blau geblümten Kittelschürze, das ergraute Haar resolut im Nacken festgesteckt, die Hände rau und rot von unzähligen Spülgängen. Sie schwenkte gerade ein tulpenförmiges Glas durch das Spülbecken, ohne aufzusehen. Sie brauchte keinen Blick zur Tür; sie erkannte jeden ihrer Stammgäste am Schritt und am Klang der Klinke.
„Tach, Hannes. Du siehst aus, als hätte dich der Herbstwind höchstpersönlich durchs Deilbachtal gejagt“, sagte sie mit ihrer tiefen, unverwechselbar kratzigen Stimme und rieb das Glas mit einem blitzsauberen Geschirrtuch trocken.
„Kommt der Sache ziemlich nah, Elfriede“, erwiderte Hannes, hängte seine klamme Jacke an den Messinghaken neben seinem angestammten Ecktisch und ließ sich auf die gepolsterte Bank fallen. Das dunkle Leder knarzte behaglich. „Ein kühles Pils gegen die Kälte. Und das Übliche für den Magen. Ich hab seit heute Morgen nichts Vernünftiges mehr zwischen die Zähne bekommen.“
„Sitzt schon“, antwortete Elfriede knapp.
Keine zwei Minuten später hörte er das vertraute Zischen des Zapfhahns. Drei geübte Schläge, eine kurze Pause, bis die Schaumkrone stand wie eine Eins. Dann schlurfte Elfriede mit ihren bequemen Filzlatschen herüber und stellte die Bestellung ab.
Zuerst das Tulpenglas: ein goldgelbes, feinherbes Pils mit einer dichten, weißen Krone, an der die Kohlensäureperlen langsam nach oben stiegen. Direkt daneben landete der schwere Steingutteller. Ein frisches, knuspriges Doppelbrötchen, sauber halbiert und fingerdick mit grobem, rosafarbenem Mett bestrichen. Obenauf lag ein kleiner Berg hauchdünn geschnittener, weißer Zwiebelringe, vollendet mit reichlich frisch gemahlenem, grobem schwarzem Pfeffer.
Doch als er nach der ersten Brötchenhälfte greifen wollte, stockte seine Hand mitten in der Bewegung. Direkt neben dem Mettbrötchen, auf demselben Teller, stand eine kleine, weiße Porzellanschale, die absolut nichts mit der gewohnten Speisekarte zu tun hatte: runzlige, pechschwarze Oliven und zwei lange, feurig-grüne Peperoni.
Hannes hob skeptisch den Blick. Doch ehe die Diskussion über bergische Traditionen und mediterrane Neuerungen Fahrt aufnehmen konnte, vibrierte sein altes Smartphone auf dem Tisch. Auf dem Display leuchtete der Name Gerd. Sein ältester Weggefährte, pensionierter Forensiker der KTU.
Hannes wischte über das Display. „Ja, Gerd?“
„Hannes, lass alles stehen und liegen“, tönte Gerds raue, aufgeregte Stimme aus der Leitung. „Ich bin gerade an der Wache in Neviges vorbeigekommen – da herrscht absoluter Ausnahmezustand. Die Mordkommission aus Mettmann ist mit vollem Besteck ausgerückt. Larssen ist schon vor Ort.“
„Was ist passiert? Ein Überfall?“
„Schlimmer“, sagte Gerd gepresst. „Herbstwallfahrt im Mariendom. Mitten in der Zeremonie ist ein Mann vor den Altarstufen zusammengebrochen. Die Notärztin konnte nur noch den Tod feststellen. Kein Herzversagen, Hannes. Schaum vor dem Mund, Krämpfe – alles deutet auf ein hochgradig toxisches Gift hin.“
„Ein Giftmord mitten im Dom?“
„Weil der Tote etwas bei sich hatte, Hannes“, antwortete Gerd, und seine Stimme wurde merklich leiser. „Keine Papiere, kein Portemonnaie. Nur ein gefaltetes Blatt Papier in der Innentasche seiner Jacke. Auf dem Zettel steht ein lateinischer Bibelvers. Und darunter eine handschriftliche Widmung: Für Hannes König – die Sühne für das Schweigen von 1996 hat begonnen.“
Hannes erstarrte. Das Wort 1996 traf ihn mit der Wucht eines Vorschlaghammers.
Bilder stiegen auf, die er seit dreißig Jahren weggesperrt hatte: nasses Scheinwerferlicht, Blaulicht auf regennassem Asphalt, das widerliche Bersten von Blech – und ein dunkles Schweigen, das damals eine Tragödie begrub.
„Ich bin unterwegs“, brachte Hannes heiser hervor, warf einen Schein auf den Tisch, packte seine Lederjacke und eilte hinaus in den strömenden Regen.
Am Tatort: Der Koloss aus Beton
Als sich Hannes der Elberfelder Straße in Neviges näherte, schnitt das grelle, rhythmische Zucken blauer Rundumleuchten durch den dichten Nebel. Vier Streifenwagen blockierten die Zufahrt, dazwischen der Kastenwagen der Spurensicherung.
Gemeinsam mit Gerd trat Hannes durch das schwere Eingangsportal. Mit einem Schlag verschluckte die gewaltige Akustik des Nevigeser Mariendoms das Prasseln des Regens. Der Dom, entworfen von Gottfried Böhm, glich von innen eher einem riesigen Zelt aus nacktem Beton als einer traditionellen Kirche. In der Luft hing ein bedrückendes Gemisch aus kaltem Betonstaub, Weihrauchresten und dem stechenden Geruch von Desinfektionsmitteln.
Vorne am Hochaltar schälten harte Halogenscheinwerfer eine Gestalt aus dem Halbdunkel.
Auf den kalten Stufen lag der Körper eines Mannes, seitlich eingekrümmt. Die Hände zu Klauen verkrampft, die Fingernägel in den dunkelblauen Lodenmantel gegraben. Das Gesicht aschfahl, die Lippen bläulich verfärbt, getrockneter Schaum an den Mundwinkeln.
Hauptkommissar Dirk Larssen drehte sich um. „König. Kennen Sie ihn?“
Hannes schluckte trocken. Ein Stich fuhr ihm durch die Brust. „Sein Name ist Arthur von Benda. Der Düsseldorfer Immobilienanwalt. Und vor dreißig Jahren war er der Mann, der dafür gesorgt hat, dass eine Akte für immer in der Versenkung verschwand.“
Larssen zog einen transparenten Asservatenbeutel hervor. Darin lag das vergilbte Schriftstück:
„Delicta iuventutis meae et ignorantias meas ne memineris.“
(Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Vergehen.)
Darunter die Tinte:
„Für Hannes König – die Sühne für das Schweigen von 1996 hat begonnen.“
„Also, König“, forderte Larssen mit schneidender Schärfe. „Ihr Name steht auf dem Totenschein des Mörders. Was zum Teufel ist 1996 im Bergischen Land passiert?“
Hannes wandte den Blick nicht von dem Zettel ab. Das Summen der Scheinwerfer und das ferne Rauschen des Regens schienen vollkommen zu verblassen, bis nur noch das Pochen seines eigenen Blutes in seinen Ohren dröhnte.
„1996“, begann Hannes mit belegter, rauer Stimme, „ist ein Mädchen auf der Landstraße zwischen Langenberg und Neviges überfahren worden. Fahrerflucht. Der Wagen wurde nie gefunden. Und der Mann, der damals am Steuer saß … war mein jüngerer Bruder.“
Jetzt das ganze Buch lesen!
Was verbirgt sich wirklich hinter dem tödlichen Unfall von 1996? War Markus König tatsächlich der Täter, oder wurde er zum Spielball mächtiger Strippenzieher aus Kirche, Politik und Wirtschaft? Wer hat das tödliche Eisenhut-Gift im Weihwasserbecken des Doms platziert?
Begleiten Sie Hannes König und Gerd bei ihren packenden Ermittlungen durch die nebligen Gassen von Alt-Langenberg, verlassene Ziegelwerke und das Herz des Bergischen Landes.
- Titel: Das Schweigen des Doms (Hannes König – Band 16)
- Autor: Michael Schild
- Verlag: Schild & König Verlag, Velbert
- ISBN: 9798178243909
- Format: Taschenbuch & E-Book
